Imp’s Shop in Ulm

Vom Coop-Supermarkt zum Kult-Laden: 30+ Jahre Tabletop & Rollenspiel-Geschichte im Interview

Wer schon länger im Hobby unterwegs ist, weiß: Lokale Spieleläden sind mehr als nur Geschäfte – sie sind Anlaufstellen, Treffpunkte und das Herzstück unserer Szene. Ich habe Michael Gschwind vom Imp´s Shop einen Fragenkatalog geschickt, um mehr über seinen Werdegang und die Ulmer Szene zu erfahren. In seinen schriftlichen Antworten nimmt er uns mit auf eine Reise von den nostalgischen Anfängen in den 90ern über den Wandel des Hobbys durch das Internet bis hin zum aktuellen Battletech-Comeback in Ulm. Auch die Frage, warum kleine Rollenspielsysteme gerade einen extrem frischen Wind ins Hobby bringen, kommt nicht zu kurz.

Viel Spaß beim Lesen dieses Zeitreise-Interviews! Und hier natürlich der Link zu dem Shop. Den Shop findet ihr auch in 89073  Ulm in der Herrenkellergasse 20.

Das Interview

1. Von der chaotischen Idee zum Kult-Laden

MechStrategen: Wie hat damals bei dir eigentlich alles angefangen?

Michael (Imp´s Shop): Das war eine richtig urige Geschichte, bei der der Zufall eine große Rolle spielte! Ich spiele schon seit 1983 Rollenspiele. 1991 wollte ein Spieler aus meiner Runde einen Computerladen aufmachen – wie es sie in den 90ern oft gab. Er hatte dafür einen ehemaligen Coop-Supermarkt angemietet und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, dort eine kleine Rollenspielecke zu betreuen.

Als ich merkte, dass die Planung für den Computerladen etwas chaotisch war, schlug ich vor, einen kleinen Teil des Supermarktes abzutrennen. So eröffnete ich dort spontan einen Mini-Rollenspielladen – quasi wie aus dem Wohnzimmer heraus, anfangs nur nebenher, aber direkt mit Versand.

Damals gab es kaum Läden für Rollenspiele (von Tabletops ganz zu schweigen), abgesehen von Spielwarengeschäften mit etwas DSA oder D&D. Unser Angebot war anfangs wild gemischt, sogar LARP-Kram hatten wir – das kam 1991 in Deutschland ja erst auf. Aber wir merkten schnell: Der Versand und das Reisen als Händler von Con zu Con sind unsere Zukunft. Da der Laden recht abseits lag (der örtliche Pfarrer legte den Jugendlichen sogar nahe, nicht in diesen „okkulten Laden“ zu gehen…), zogen wir bald nach Ulm um.

Seit den frühen 90ern haben wir alle Höhen und Tiefen der Szene mitgemacht – lange vor Internet und vor Magic: The Gathering. Und wir sind auf unzählige Cons gefahren: Von der Wiesen-Con mit 50 Leuten bis hin zum legendären START in Hamburg mit 3.000 Besuchern.

2. Der Laden früher vs. heute: Vom Kultort zur Service-Oase

MechStrategen: Wie hat sich die Rolle des Einzelhändlers über die Jahrzehnte verändert?

Michael (Imp´s Shop): Anfang der 90er gab es wenig Neuerscheinungen und kaum Informationsquellen. Wir brachten zweimal im Jahr gedruckte Kataloge heraus, die beim Erscheinen meist schon wieder veraltet waren. Der Laden war ein echter Kultort: Hier traf man sich, hing Flyer für Cons auf oder nutzte das Schwarze Brett für die Spielersuche.

Heute weiß der Kunde dank Internet vor dem Kauf oft schon mehr über ein Spiel als der Händler und hat den Bestpreis gecheckt. Schwabenland-Klassiker: Mir ist schon mal ein Kunde abgesprungen, weil er ein Spiel im Netz einen Euro billiger fand!

Aber das Positive heute: Es gibt viel mehr Spielmöglichkeiten direkt in den Läden. Wenn der Service und die Gemeinschaft stimmen, sind die Spieler auch absolut bereit, ein paar Euro mehr auszugeben. Und was die Trends angeht: Tabletops kommen und gehen in Wellen. Warhammer ist der Dauerläufer, aber auch bei Battletech gab es immer wieder Phasen, in denen es ruhiger war – bis die nächste Welle kam.

3. Service mit Gesicht und Bauchgefühl

MechStrategen: Was macht deinen Laden heute aus und wie wählst du dein Sortiment aus?

Michael (Imp´s Shop): Bei mir gibt es sehr persönlichen Service. Man spricht immer direkt mit dem Chef – egal ob im Laden oder beim Versand. Keine anonymen Standard-E-Mails. Manche Stammkunden kommen einfach nur zum Quatschen vorbei – und nehmen dann doch meistens noch was mit! Dieser menschliche Kontakt motiviert mich riesig.

Bei der Sortimentsauswahl ist es nach über 30 Jahren eine Mischung aus eigenem Interesse, Empathie für die Kunden und reinem Bauchgefühl. Man entwickelt mit der Zeit ein Gespür dafür, was ein echter Renner wird und was nur ein Strohfeuer ist.

4. Das große Battletech-Comeback & Geländebau im Wandel

MechStrategen: Wie erlebt ihr das aktuelle Revival von Battletech und wie verändert der 3D-Druck die Bastelszene?

Michael (Imp´s Shop): Die neue Welle an Battletech-Miniaturen hat die Ulmer Szene wieder richtig ins Rollen gebracht! Battletech war bei uns nie ganz tot, aber früher hatten wir zu MechForce-Zeiten drei Chapter, danach lange nur eine Handvoll Aktiver. Jetzt gibt es wieder einen festen wöchentlichen Treff und viele Ein- und Wiedereinsteiger.

Was das Basteln angeht: Viel Material wird heute online oder als 3D-Druck gekauft. Und typisch schwäbisch gilt natürlich: Möglichst viel selber machen und sparen! Wir verkaufen zwar weniger fertiges Geländematerial als früher, dafür aber extrem viele einzelne Rollenspiel-Figuren. Ich achte da sehr auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und schaue mir die Minis vorher selbst an. Die Dauerbrenner beim Basteln bleiben aber unverändert: Pinsel, Farben und alles für die Basegestaltung.

5. Die Community in Ulm: Wo wird gespielt?

MechStrategen: Wo trifft man sich bei euch zum Zocken?

Michael (Imp´s Shop): Im Laden selbst haben wir donnerstags den Bemalworkshop, freitags ist Yu-Gi-Oh!-Tag und samstags wird Magic gespielt.

Für große Tabletop- und Rollenspielrunden haben wir in Ulm riesiges Glück mit dem Verein Übermorgenwelt e.V.. Die haben geniale Räumlichkeiten in der historischen Bundesfestung (Fort Albeck). Dort gibt es feste Termine für Battletech, Star Wars, historische Tabletops, Rollenspiele und vieles mehr. Vernetzt ist die regionale Szene zudem super über die Online-Community Schwarze Laute, wo man auch von allen Cons in der Umgebung erfährt (wie der Catcon, Übercon oder der Zeltcon in Biberach).

Wer Anschluss sucht: Einfach bei mir im Laden vorbeikommen oder eine Mail schreiben, ich vermittle da sehr gerne weiter!

6. Blick nach vorne & Geheimtipps vom alten Hasen

MechStrategen: Was ist dein Plan für die Zukunft und welche Spiele empfiehlst du aktuell?

Michael (Imp´s Shop): Für die Zukunft gilt: Einfach so weitermachen wie bisher und sich treu bleiben. Es ist das schönste Gefühl, wenn Kunden nach 10 oder 20 Jahren wieder reinkommen und sagen: „Wie schön, dass es hier noch genau wie früher ist!“

Mein aktueller Geheimtipp: Als alter Rollenspielhase empfehle ich dringend die neue Welle an kleineren Indie-Systemen aus den USA (wie die Sachen von Exalted Funeral). Das bringt unglaublich frischen Wind – kompakte Regelwerke, tolle neue Ideen oder einfach ein einziger, dicker Regelband. Auch moderne Klassiker wie Mörk Borg (oder Cy_Borg und Pirate Borg) machen extrem viel Spaß: Schnelle Regeln, düstere Vibes und eine fantastische Open-Licensing-Politik nach dem Motto: „Wenn dir was dazu einfällt, bring es einfach heraus!“

Fazit

Ein riesiges Dankeschön an Michael vom Imp´s Shop für diese geniale Zeitreise und die tiefen Einblicke in unsere Szene! Wenn ihr das nächste Mal in Ulm seid, schaut unbedingt vorbei, quatscht eine Runde über Mechs & Mörk Borg und unterstützt euren lokalen Spieledealer!

Gruß Sören von Mechstrategen

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